Jeder kennt das Gefühl...
wenn uns ein Musikstück packt, uns in Euphorie versetzt oder uns die Augen andächtig schließen lässt. In uns brodelt es. Wie gerne möchten wir einfach mitsingen. Und warum? Weil es gut tun würde. Das wissen wir instinktiv.
Chorisma & Chorissinis
Bei uns kann man seinen Emotionen freien Lauf lassen, nach Herzenslust mitsingen und dabei wirklich was erleben! Wir sind rund 50 Sängerinnen und Sänger, und 30 Kleine, mit einem gesanglichen Repertoire, das keine Wünsche offen lässt. Bei uns wird Singen zum Erlebnis!
Repertoire
Ob ein melodisches Musical, swingender Gospel, ehrwürdige Oratorien oder fetziger Rock - Jede Musik, die berührt, ist die richtige Musik.
Besuchen Sie unsere Chorproben immer montags um 20:00 Uhr im Musikpavillon Talheim.

Die Weimarer Republik (1918 - 1933)

Obwohl es nach dem Sieg Deutschlands über Russland im März 1918 noch so ausgesehen hatte, als ob der Krieg für Deutschland gewinnbar sei, brachte der Eintritt der USA in die Kampfhandlungen die entscheidende Wende. Trotz aussichtsloser Situation war Kaiser Wilhelm II nicht bereit, auf die Forderungen der Alliierten einzugehen und Deutschland in eine Demokratie umzuwandeln. Der Versuch einer Umwandlung durch Reichskanzler Prinz Max von Baden im Oktober 1918 kam zu spät: Meuternde Matrosen und aufständische Arbeiter trugen die Revolution nach Berlin. So musste der Kaiser am 9.11.1918 abdanken und ins Exil nach Holland gehen. Friedrich Ebert (SPD) rief in Berlin die Republik aus, Matthias Erzberger (Zentrum) unterzeichnete am 11.11.1918 in Compiègne die Waffenstillstandserklärung.

Der neue Staat war von Anfang an mit schweren Problemen belastet. Gewaltige Reparationsleistungen waren zu zahlen, politische Kämpfe zwischen Demokraten, rechts- und linksextremen Vereinigungen vergifteten das Klima im Land, mehrere Putschversuche destabilisierten die Ordnung. Und der Rückhalt, den der demokratische Gedanke in den Köpfen der Menschen hatte, war minimal.

In Talheim war von den revolutionären Umtrieben dieser Jahre wenig zu spüren. Ein "Arbeiter- und Bürgerrat" findet nur in einem Gemeinderatsprotokoll kurz Erwähnung. Die Tatsache, dass der Krieg zu Ende war, war den meisten Bürgern wohl wichtiger, als die Wirren im fernen Berlin. Auch der damalige Schultheiß Helmer blieb im Amt (bis zu seinem Tod 1933). Veränderungen anderer Art gab es hingegen schon: Die größten Teils noch heute gültigen Straßennamen wurden in den zwanziger Jahren eingeführt und ein Kriegerdenkmal (heutiger Rathausplatz) gebaut (1925).

Auch in den Protokollbüchern des Liederkranzes finden die politischen Veränderungen keinerlei Erwähnung. Die Aufzeichnungen beginnen wieder im November 1919 mit der Bemerkung, dass zum ersten Mal seit Kriegsende ein gemütlicher Abend des Vereins abgehalten wurde. Vorstand Hermann Sillinger prägte während seiner 19¬jährigen Amtszeit (1909-1928) in dieser Epoche den Liederkranz Talheim in besonderem Maße.

Ein großes Problem, das die Vereinsarbeit in den frühen 20erJahren belastete, war die Dirigentenfrage. Durch Versetzung der Lehrer, die diese Stelle innehatten, gab es immer wieder Phasen ohne festen Dirigenten. Im Jahre 1923 wurde sogar darüber beraten, den Verein in Ermangelung eines Dirigenten aufzulösen, was jedoch abgelehnt wurde.

Als Folge des Weggangs von Dirigent Faber im Jahre1927 kam es offensichtlich sogar zu größeren Verstimmungen im Verein, was zum Austritt mehrerer aktiver Mitglieder führte. Der Grund waren wohl Streitigkeiten über die Auswahl der zu singenden Lieder. Es wurde daraufhin ein "Musikausschuss" gegründet, um das Problem zu lösen. Auch der Mangel an Sängernachwuchs machte dem Verein zu schaffen. Ein Sitzungsprotokoll aus dem Jahre 1927 formuliert es drastisch: Der Vorstand "erklärte, dass der Verein unter diesen Umständen nicht weiterleben kann."

Probleme stürzten auch von außen auf den Verein ein: Die schwere Staatsverschuldung und die daraus resultierende Geldvermehrung führten im Jahre 1923 zu einer galoppierenden Inflation in Deutschland, was auch den Liederkranz Talheim traf. So verzeichnet das Protokoll eine Beitragserhöhung von 4 Mark auf 100 Mark im März und auf 500 Mark im Juni. Im November wurde der Beitrag dann auf 20 Goldpfennige festgelegt, die in Naturalien "und zwar in Form von Mehl - Eier etc.'' zu bezahlen waren. Auch die Bezahlung des Dirigenten sollte in Naturalien erfolgen. Im Protokoll der Generalversammlung von 1924 liest man, dass die Inflation das Vereinsvermögen entwertet hat und die Kasse eine „0“ aufweist.

Es gab in den Jahren 1918-1933 jedoch auch freudige Anlässe für den Verein. Hier seien die Fahnenweihe im Mai 1926 und das 25-jährige Vereinsjubiläum im Juli 1931 genannt, die beide mit großen Festen begangen wurden.

Der Beschluss des Vereins, eine Vereinsfahne zu beschaffen, wird im Jahre 1922 gefasst. Wohl aufgrund der Geldentwertung durch die Inflation 1923 taucht das Thema „Fahne" aber erst wieder im Jahre 1925 in den Protokollbüchern auf. Es wird beschlossen, die Fahne im Jahre 1926 zu beschaffen. Jedes Mitglied soll dabei einen Beitrag von 5 Mark an den Anschaffungskosten leisten.

Im August 1925 werden Reisende der Firmen "Rommel & Ackermann, Stuttgart" und "Karl Neff, Biberach an der Riss" bestellt, um ihre Angebote abzugeben. Man entscheidet sich für die Firma Neff, die bis zum 1. Mai 1926 für 830 Mark eine Fahne liefern soll, die folgendermaßen beschrieben wird: 1,30m x 1,30m; eine Seite creme, mit oberem Schloss, in der Ecke Traubenkränze, Inschrift "Gesang - Verein ¬Liederkranz Talheim 1906 1926" in Gold hochgestickt; die zweite Seite hellblau, mit Lyra und Schwan, in den Ecken Eichenlaub, Inschrift "In Freud und Leid zum Lied bereit" und Lyra in Gold hochgestickt.

Am 30. Mai 1926 war es dann soweit. Der Tag der Fahnenweihe war da, Schaustände und ein Karussell waren errichtet, 1000 Festbänder, 50 Rosetten und Willkommensbänder und 12 Schärpen für die Festdamen schmückten Ort und Teilnehmer, ein Umzug und ein Tanzabend waren vorbereitet. Das Protokoll dieses Tages, geschrieben von Vorstand H. Sillinger, liest sich wie folgt:

"Der Himmel hatte wenig Einsehen mit unserer Fahnenweihe, hat er doch bereits am Vorabend seine Schleusen zu ausgiebigem Regen geöffnet. Und so manches Mitglied schaute verzagten Herzens gen Himmel, ob nicht bald die Sonne mit ihren Strahlen durch das dichte Gewölk brechen wollte. Jedoch bis bereits zur Aufstellung des Festzugs regnete es ununterbrochen. Bei Abmarsch des Festzuges entschied sich der Wettergott doch noch zu Gunsten des Vereins und es blieb den ganzen Nachmittag schönes Wetter. Trotz der schlechten Witterung hatten sich alle Gastvereine pünktlich eingefunden. Ihre Namen sind folgende:

Radfahrerverein Wanderlust Talheim, Gesangverein Eintracht Flein, Gesangverein Liederkranz llsfeld, Gesangverein Frohsinn Lauffen, Deutscher Turnverein Talheim, Gesangverein Germania Flein, Gesangverein Liederkranz Untergruppenbach, Schützenverein Talheim, Gesangverein Liederkranz Lauffen, Musikverein Talheim, Gesangverein Germania Sontheim, Gesangverein Sängerbund Horkheim, Militärverein Talheim, Gesangverein Frohsinn Heilbronn, Gesangverein Urbanus Lauffen, Gesangverein Eintracht Sontheim, Turn- und Sportverein Talheim, Gesangverein Sängerlust Talheim, Radfahrerverein Wanderlust Talheim, Gesangverein Eintracht Flein, Gesangverein Liederkranz llsfeld, Gesangverein Frohsinn Lauffen, Deutscher Turnverein Talheim, Gesangverein Germania Flein, Gesangverein Liederkranz Untergruppenbach, Schützenverein Talheim, Gesangverein Liederkranz Lauffen, Musikverein Talheim, Gesangverein Germania Sontheim, Gesangverein Sängerbund Horkheim, Militärverein Talheim, Gesangverein Frohsinn Heilbronn, Gesangverein Urbanus Lauffen, Gesangverein Eintracht Sontheim, Turn- und Sportverein Talheim, Gesangverein Sängerlust Talheim

Sie alle haben sehr viel zum Gelingen des Festes beigetragen wofür Ihnen allen noch mal herzlich gedankt sein soll.

Nachdem das Begrüßungslied verklungen war, hielt Vorstand Sillinger die Festrede und dankte den erschienenen Gästen sowie allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben. Herrn Schultheiss Helmer hielt auch eine Ansprache und wünschte dem Verein zur Fahnenweihe viel Glück und weiteres Blühen und Gedeihen. Nach dem ergriff als Vertreter des unteren Neckargaus Herr Retzbach das Wort und ermahnte alle Anwesenden Treu zum deutschen Liede zu stehen, es zu hegen und zu pflegen. Herrn Retzbach übergab dann unter trefflicher Mitwirkung seines Vereins Frohsinn Heilbronn und des Dirigenten Herrn Biedermann die Fahne an den Verein und ermahnte die Sänger jetzt treu und fest zur Fahne zu stehen. Im Anschluss kamen dann die Liedvorträge der Gastvereine und Reigen der Festdamen, welcher sehr gut gelang und allgemeinen Beifall fand. Helene Zierle übergab dann dem Verein als Erinnerung ein schönes Fahnenband mit Inschrift "gestiftet von den Festdamen zur Fahnenweihe 30. Mai 1926" Der Festball im Gasthaus zur Sonne verlief unter zahlreicher Beteiligung der Gäste harmonisch und schön. Das Tanzbein wurde bis morgens 3 Uhr geschwungen. Der Montag versammelte nochmals die Vereinsmitglieder und zahlreiche Bürger auf dem Festplatz. Nach Eintritt der Dunkelheit begab sich der Verein ins Gasthaus zum Hochstetter, wo dem Tanze noch lange und fleißig zugesprochen wurde."

(Hermann Sillinger, 1926)

Bereits 5 Jahre später gab es wieder Anlass zum Feiern: Das 25-jährige Vereinsjubiläum (seit der "offiziellen" Gründung 1906) wurde am 14. Juli 1931 mit einem großen Fest inklusive Umzug bei strahlendem Sonnenschein gefeiert. Hierbei wurden zum ersten Mal Mitglieder für 25-/30 und 40jährige Mitgliedschaft geehrt.

In die Epoche der Weimarer Republik fällt auch der Beitritt des Vereins zum Sängergau Heilbronn (gegründet 1920) im Jahre 1924. Der Verein nahm daraufhin mehrfach an Gausänger- und liederfesten teil, zum Beispiel in Bönnigheim (1927) oder in Neckarsulm (1926).

Im sängerischen Alltag waren es natürlich die Singstunden, die allerdings nur von Herbst bis Frühjahr stattfanden, der alljährliche Familienabend sowie mehrere Ausflüge, z.B. nach Maulbronn (1920), Hall (1921) oder Wildbad (1926), die das Vereinsleben ausmachten.

Ein Problem, das sich durch die Sitzungsprotokolle der ganzen Jahre zieht, ist die Frage des Beerdigungssingens. Offensichtlich war der Chor zur musikalischen Untermalung bei Beerdigungen im Ort sehr begehrt, was jedoch zur Folge hatte, dass die Mitglieder dadurch erhebliche Verdienstausfälle hatten. Es wurde deshalb für das Beerdigungssingen bei Nichtmitgliedern eine Gebühr von 20 Mark (später: 30 Mark) erhoben, um den Sängern ihre Verdienstausfälle ausgleichen zu können. Doch verringerte dies die Nachfrage anscheinend kaum. Deshalb wurde 1929 beschlossen, das Beerdigungssingen so weit wie möglich einzuschränken. Es wurde vorgeschlagen, dass Schulkinder oder ein zu gründender gemischter Chor diese Aufgabe übernehmen könnten.

Ein besonders gutes Verhältnis hatte der Verein zum evangelischen Musikverein Eintracht Talheim. Dieser wirkte bei den Familienabenden mit und auch mehrere Ausflüge wurden zusammen gemacht.

Im Jahre 1929 kam es zu einer Weltwirtschaftskrise, in deren Folge die Arbeitslosigkeit und die Armut in Deutschland rapide zunahmen. Das hatte auch Auswirkungen auf den Verein. 1932 wurde beschlossen, arbeitslosen Mitgliedern den Vereinsbeitrag für die Dauer ihrer Arbeitslosigkeit zu erlassen. Ebenso wurde diskutiert, aufgrund der "immer schlechter werdenden Zeiten" den traditionellen Familienabend 1933 durch eine abgespeckte Familienfeier zu ersetzen.

Dirigenten Vorstände
1916 - 1920 Hauptlehrer Leichtle 1909 - 1928 Hermann Sillinger
1920 - 1920 Lehrer Armbruster 1928 - 1934 Adolf Blessing
1920 - 1922 Hauptlehrer Riethmüller
1922 - 1923 kein ständiger Dirigent
1923 - 1925 Lehrer Eugen Neun
1925 - 1927 Lehrer Albert Faber
1927 - 1927 Lehrer Hermann Grünewald
1927 - 1929 Lehrer Schäfer
1929 - 1935 Hauptlehrer Fritz Speck

Bilder

Was sonst noch war...
1918 Der erste Weltkrieg hat bis zu seinem Ende 8 Millionen Soldaten das Leben gekostet.
Die Bolschewiken ermorden in Jekaterinenburg die russische Zarenfamilie.
1919 In Weimar wird auf Initiative von Walter Gropius das Bauhaus eröffnet.
1920 In den USA beginnt die Zeit der Prohibition. Alkoholherstellung, -handel und -konsum werden verboten.
1921 Der kanadische Mediziner F. G. Banting isoliert zum ersten mal Insulin.
1922 Benito Mussolini ergreift in Italien die Macht.
"Der Brandstifter" ist der erste deutsche Tonfilm.
1923 Am 29. Oktober geht der erste Radiosender in Berlin auf Sendung.
1925 Mit Paul von Hindenburg wird ein Demokratiegegner Reichspräsident.
Werner Heisenberg, Max Born und Pascual Jordan begründen die Quantenmechanik
1926 In Berlin werden zum ersten mal Verkehrsampeln in Betrieb genommen.
1927 Charles Lindbergh überquert im Alleinflug nonstop den Atlantik.
1928 Alexander Fleming entdeckt das Penicilin.
Hans Geiger und Walter Müller erfinden den Geigerzähler.
1930 Uruguay wird erster Fußball-Weltmeister.
Marlene Dietrich wird durch den Film "Der blaue Engel" weltberühmt.